Völlig neue Erfahrung

  • Hallo,


    ich bin seit mehreren Jahren ehrenamtl. Betreuer für Jugendliche. Ich habe bis jetzt nur immer Einzelbetreuungen aber noch nie Gruppenarbeit gemacht.
    Im Mai wurde an mich der Wunsch herangetragen, ob ich eine Gruppenarbeit mit jugendlichen U-Häftlingen machen kann.
    Ich war am Anfang etwas skeptisch, weil ich eher ein Einzelkämpfer bin. Mir wurde von der Gruppe der "Ehrenamtlichen" eine sehr nette Psychologiestudentin zur Verfügung gestellt. Wir machten eine Ausarbeitung: "Wie verhalte ich mich vor Gericht". Nichts hochtrabendes, lediglich-was soll ich am besten anziehen - keine Piercings anlegen - wie formuliere ich Antworten - nicht kämpferisch geben usw.
    Da es sich um jugendliche U-Häftlinge handelt, muss der zuständige Jugendrichter vor jedem Unterricht unterschreiben. (die JVA muss die Listen mit den Namen faxen usw. - sehr bürokratisch und aufwendig).
    Wir hatten nun unseren ersten Unterricht und ich war total begeistert.
    Unser Arbeitsaufwand hat sich mehr als gelohnt. Die Jungs waren supernett.
    Wir haben auch Rollenspiele gemacht - Richter und Angeklagter und natürlich sehr viel gelacht.Ich selbst war vorher auch ein wenig aufgeregt, weil ich so was noch nie gemacht habe, aber ich habe mich sehr gefreut wie toll das gelaufen ist.


    Viele Grüße:


    lombi2

  • Hallo Lombi,


    schön, mal wieder was von dir zu lesen.
    Ich finde deinen Einsatz für junge Menschen einfach klasse :!:
    muß aber sagen, das ich es traurig finde, das solch einfache Verhaltensregeln von ehrenamtlichen Betreuern durchgekaut werden müssen. Dafür sollte eigentlich das Elternhaus da sein :ueberleg:


    Lieben Gruß
    Annamaria

  • Zitat

    Original von Annamaria
    Dafür sollte eigentlich das Elternhaus da sein :ueberleg:


    Das ist nunmal in vielen Fällen ein Totalausfall. Im Jugendarrest schon, also bei den "Kleinen" zwischen 14 und 18, ist es fast schon eine Besonderheit, wenn die Eltern sich in irgendeiner Weise kümmern. Selbst am Tag der Entlassung aus dem Jugendarrest werden viele nicht abgeholt und wären ohne uns aufgeschmissen, auf legalem Weg "heim" zu kommen.