Besuch

  • Endlich
    für morgen haben wir einen Besuchstermin bei meinem Großen in Amberg und am Freitag beim Kleinen in Nürnberg. Ich bin so hin und her gerissen, was ich ihnen sagen soll, denn ich hätte eine ganze Menge auf Lager. Wir hatten ja hier in den letzten Wochen einiges am Hals und haben es noch. Von Wohnung räumen bis zig Telefonate und Erledigungsgänge um das ganze Chaos so einigermaßen zu regeln. Und abgeschlossen ist das ja noch längst nicht. Am besten höre ich mir erst mal an was sie zu sagen haben. :traurer: Wie seid ihr mit der Situation beim 1. Besuch umgegangen?
    LG Sammi

  • :winken: Sammi,


    schön, das ihr endlich die Besuchsgenehmigungen für deine Jungs habt.
    Mir ging es damals auch so, das ich mich einerseits gefreut habe, das ich Junior endlich sehen konnte, aber ich hatte auch Angst vor dem Besuch und hatte eine unendliche Wut auf ihn.
    Ich kann mich noch gut daran erinnern, mir war am Besuchstag vorher sowas von speiübel naja im nachhinein weiß ich, das es ihm auch nicht besser ging sds (das ist nur gerecht).
    Ich hab das glaub ich schon mal wo geschrieben, ich hab alles was mich belastet hat, meine Wut und meinen Ärger und so weiter, ihm immer im Brief geschrieben, denn ich wollte die Besuche (ich war ja trotzdem froh, das ich ihn sehen konnte) damit nicht allzu belasten. Der Vorteil bei dieser Aktion war, das er die Briefe in Ruhe lesen konnte, das ganze für sich erstmal verdauen und verarbeiten konnte und dann konnte man auch vernünftig mit ihm beim nächsten Besuch darüber reden.


    Ich wünsch dir trotz der unschönen Situation ein schönes Wiedersehen mit deinen Jungs.


    Liebe Grüße :knuddel:
    Annamaria

  • Hallo Sammy,


    ich stand bei dem ersten Besuch noch unter Schock. Dadurch habe ich mich ruhiger verhalten, meinen Sohn nur angeschaut, nach dem "warum" gefragt und ihm gesagt, was er mit seiner Tat in der Familie des Opfers und in seiner Familie angerichtet hat. Die richtigen Emotionen und die Wut kamen erst beim zweiten Besuch.


    Ich wünsche Dir für morgen jedenfalls einen angenehmen Besuch.


    :winken:

  • Hallo Sammi,


    ich wünsche dir von ganzem Herzen, dass du die Besuche gut "über die Bühne" bekommst.


    Vorwürfe habe ich nicht gemacht, habe mir vieles angehört und "ertragen".
    Ich weiß nur, dass ich wahrscheinlich vor Angst mehr gezittert habe als mein Sohnemann.


    lg iche

  • Oh jeh, erster Besuch....davor hab ich die ganze Nacht nicht gepennt.
    Die gesamte Gefängnissituation ist gerade zu Beginn mächtig beeindruckend und auch bedrückend.
    Das verliert sich aber relativ schnell.


    Alles was ich unbedingt beim Besuch los werden wollte, hatte ich da schon wieder vergessen.


    Zitat

    Am besten höre ich mir erst mal an was sie zu sagen haben.


    Det machste. :zwink:

  • Hallo Sammi
    mein Sohn durfte sich alles nochmal anhören, was ich ihm schon geschrieben hatte ... bis es MIR besser ging .. mit ihm hatte ich null Mitleid.
    Warum sollte ich was in mich reinf.ressen oder gar Rücksicht nehmen?
    Hat er Rücksicht auf uns genommen? Nein ! :boese(:


    Wirst es schon machen :blumen:

  • Hallo Sammi,


    na endlich hast du deine Besuchserlaubnis.
    Ich wünsche dir viel Kraft für die beiden Besuche.
    Ich an deiner Stelle würde den Beiden schon kräftig die Meinung sagen.


    Mein 1. Besuch damals war der schlimmste - zumal ich noch nie ein Gefängnis so hautnah und von innen erlebt hatte. Mir war es auf der ganzen Fahrt speiübel. Als ich dann dort war, habe ich eine andere Besucherin nach den "Gepflogenheiten" gefragt und den Rest dann einfach "über mich ergehen lassen". Die nächsten Besuche waren dann irgendwie schon Routine. Meine Kinder (damals 15 und 11 Jahre alt) fanden das Ganze wahnsinnig interessant, besonders der Große, der alles ganz genau beobachtet hat.


    LG
    Wanda

  • Hallo sammi,


    freu mich für Dich,das ihr jetzt endlich einen Besuchstermin habt,bei deinen beiden Söhnen.
    Ich wünsche dir für beide Termine viel Kraft.....Du schaffst das schon


    Vielleicht magst uns ja danach erzählen wie es war


    Liebe Grüße,Lillifee

  • Hallo sammi,


    mein 1.Besuch war tränenreich und vieles habe ich wie automatisiert gemacht. Hatte ja vorher keine Ahnung wie so etwas abläuft. Bevor mein Sohn reingebracht wurde, fragte ich die Beamtin, ob ich ihn umarmen dürfe. Da kamen mir schon die Tränen. Als er dann reinkam, brach es aus mir raus. Ich konnte mich garnicht mehr beruhigen, habe ihn nur minutenlang im Arm gehalten. Auch bei den Folgebesuchen habe ich viel weinen müssen und wie betäubt reagiert, obwohl ich eigentlich vom Typ her nicht dazu neige.


    Erst jetzt, 6 Monate später kam bei mir auch Wut.


    Ich wünsche Dir viel Kraft für Deine Besuche.

  • So, da bin ich wieder.
    Komme gerade vom Besuch bei meinem Kleinen. Gestern war ja der bei meinem Großen. Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll und was ich sagen soll. Das geht schon fast über die Belastungsgrenze. Hab mal nen Gläschen mit Uzo neben mir aufbebaut....Es ist ja jetzt über 6 Wochen her, dass wir endlich eine Besuchserlaubnis bekommen haben.
    Ich erkenne meine Jungs nicht mehr, sie sehen schlimm aus, grau und eingefallen, nichts mehr da von meinen Jungs, so wie ich sie sonst kenne. Man will soviel sagen, denn es ist ja nur eine halbe Stunde, in der auch noch soviel organisatorisches beredet werden muss. Und oft konnten wir alle wegen der Tränen gar nicht richtig sprechen.
    Ja wie ist mein Eindruck? Der Kleine, denke ich - aber man weiß es ja nie, der hat glaub ich kapiert was er alles aufs Spiel gesetzt hat. Aber mein Großer....


    Erst ist es Fassungslosigkeit, Enttäuschung und ganz viel Wut. Jetzt ist es Angst einfach nur nakte Angst. Ich will mein Kind nicht verlieren, aber ich habe nur noch diese Gedanken. Ich kann es nicht beschreiben, aber ich sehe es so klar vor meinen Augen. Mir ist es jetzt so richtig bewußt geworden, wie tief er da drin steckt. Nicht wegen der vertickten Menge, sondern wegen seiner Drogenabhängigkeit. Ich weiß es, ja verdammt nochmal ich weiß es, dass ich nichts hätte tun können, wenn mir das ganze Ausmass schon früher bekannt gewesen wäre.
    In meinem Innersten habe ich einfach dieses sckreckliche Gefühl, dass er sich selbst aufgegeben hat und es nicht schaffen wird und wenn er raus kommt, alles in kurzer Zeit genauso weiter geht. Und das zieht mir den Boden unter den Füssen weg, zuschauen zu müssen, wie er sich zu Grunde richtet.
    Ich weiß auch, es ist ja erst der Anfang, es ja noch gar nichts raus, was wird.......
    Trotzdem kann ich diese verdammte Angst nicht wegschieben.

  • Hallo sammi,


    wie gut kann ich dich verstehen. Ich denke, eine Zeit lang kann oder will man das ganze ausmaß nicht wahrhaben, weil man daran zerbrechen würde. Nur eines habe ich im letzten halben Jahr gelernt, wer nicht grettet werden will und nichts verändern will, dem kann man nicht helfen. Auch nicht als Mutter, so hart das ist. Lass die Zeit für dich arbeiten, vielleicht bekommt er dort die Möglichkeit eine Therapie zu machen, er muss aus dem Sumpf rauswollen - wirklich. Erst dann kann sich etwas ändern.


    Was habe ich nicht alles versucht, von Reden, über beknien, von drohen bis Kontrolle. Man fühlt sich so ohnmächtig, weil die Droge stärker ist als alles Gefühl und alle Vernunft. Dein Sohn muss für sich kämpfen, du kannst ihn nur dabei unterstützen. Ich weiß, das alles klingt nicht besonders aufbauend, aber glaube mir, mit der Zeit bekommt man einen gesunden Abstand und entwickelt auch Wut. Mit welchem Recht tun sie uns das an. Erkundige dich mal über die Möglichkeiten in der JVA, sprich mit den Sozialarbeitern und auch hier bekommst du sicher den ein oder anderen Tip, was du noch unterstützend und für dich tun kannst. Aber nimm ihm nichts ab, machen muss er selbst und erkennen auch. Wir können vielleicht die richtige Richtung zeigen, gehen müssen sie den Weg selbst - aus Überzeugung.


    Alles Liebe
    Blue

  • Oh Sammi,


    und das Ganze gleich im Doppelpack - das ist mehr als man ertragen kann, oder?


    Ich wünsche dir ganz viel Kraft für die kommende Zeit. Deine Angst ist sicher berechtigt, aber du musst in erster Linie jetzt schauen, dass du nicht auf der Strecke bleibst. Für deine Jungs ist gesorgt. Du hast keinen Einfluss darauf, was sie aus der Haft machen, ob sie bereit sind, an sich zu arbeiten, Therapie zu machen ...


    Schau , dass du klarkommst, dass es dir (den Umständen entsprechend) gutgeht.
    (und nicht so viel Ouzo trinken, ja? :nono: )



    LG
    Wanda

  • Liebe Sammi,


    habe deinen "Besuchsbericht" gelesen und kann mir deine Verzweiflung und Angst lebhaft vorstellen. Mann oh mann, es tut einfach so weh, wenn man merkt und sieht, wie sich die Jungs ihr Leben zerstören.


    Ich weiß gar nicht, was ich dir tröstendes schreiben soll und kann nur hoffen, da du Menschen um dich hast, die dich auffangen.


    Herzliche Grüße :knuddel:
    Annamaria

  • Ganz lieben Dank für eure Worte, es tut einfach gut.
    Blueberry wie lange sitzt denn dein Sohn jetzt schon? Hast du den Eindruck, dass er jetzt mal ein bisschen Einsicht zeigt? Bei meinem Großen habe ich halt das Gefühl, dass er das alles nach wie vor ganz locker sieht und seine Drogensucht bilde ich mir ja wie üblich nur ein... :noo: :noo: Vielleicht erwarte ich nach 6 Wochen auch zuviel, denn der jahrelange Missbrauch hat ihm einfach das Hirn so verballert. Und ich stimme dir zu, von wegen der Schei... Cannabiskonsum macht nicht anhängig. Wenn bereits zum Frühstück ne Bong angesagt ist , man den ganzen Tag nur
    B R E I T ist und ohne ganz nix mehr geht.
    Der Kleine dagegen tut was, nimmt jedenfalls alle Möglichkeiten, wie Gespräche mit dem Sozialarbeiter und mit der Mudra wahr. Und richtig gestaunt habe ich gestern wie er erzählt hat, dass er sehr oft das Gespräch mit dem Gefängnisseelsorger sucht. Wie ich kurz vor Weihnchten ihnen noch sagte, sie mögen Hl. Abend mit in die Christmette gehen, na da gabs nur dumme Sprüche.


    Jedenfalls die Wartezeit gestern in Nürnberg war echt der Hit. Gute 2 Stunden und eisig kalt.
    Liebe Grüße Sammi

  • Hallo sammi,


    verhaftet wurde mein Sohn im August'07, verurteilt im November. Leider scheint er noch nicht wirklich zu begreifen, dass dies seine letzte Chance ist, z.B. eine ausbildung zu machen. allerdings nimmt er an einer Drogengruppe teil und besuchte die Schule in Haft weiter. Nun ist er ja seit ein paar Tagen verlegt, mal sehen wie es so läuft.


    Mit der Seelsorge das kann ich auch bestätigen. Meiner ging auch oft in die Kirche dort. dies scheint ihm Kraft und halt zu geben und vielleicht auch die ein oder andere Erkenntnis. Er sieht aber schon seinen Abstieg und auch, dass er viel verändern muss. Nur sein Haupziel ist derzeit, früher entlassen zu werden. das kann ich zwar verstehen, aber es ist der falsche Weg.


    Ich denke auch, nach 6 Wochen ist es noch zu früh für eine Prognose. Meinem Sohn habe ich jedenfalls gesagt, wenn außer großer Rden nichts passiert, reduziere ich meine Besuche drastisch. Versprechungen habe ich genug gehört. Jetzt zählen ausschließlich Taten und Fakten. Er hat so oft mein Vertrauen missbraucht, um da ein klein wenig Basisi zu schaffen, ist er gefordert.


    Lieben Gruss
    Blue

  • Also ich habe meinen Freund 1 Monat nach der inhaftierung besucht gehabt. Ich gebe zu ich hatte viel bammel weil ich das nicht kannte. Aber die Beamten in Landshut sind sehr sehr nett gewesen.
    Ich hatte natürlich am meisten Angst ihn wieder zu sehen. Und ihm jetzt wo ich von seiner Tat weiss in die Augen zu schauen.
    Aber der Moment als ich ihn sah war wunderbar. Und ich merkte bei ihm das er sich teils geschämt hat aber auch das er glücklich war das ich gekommen bin. Und sein erster Satz war nur "Schatz ich dachte du wirst mich jetzt vergessen!".


    Ich glaube es ist sehr schwer zu sagenw ie man damit umgehen soll oder ect. weil es doch individuell ist.