Knastzeitungen und ihre Historische Entwicklung.....

  • .....der Gefangenenzeitungen


    Die Entwicklung der deutschen Gefangenenzeitungen setzte in Deutschland erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein. Gefangenenzeitungen in Amerika und in der Schweiz konnten zu diesem Zeitpunkt bereits auf eine gewisse Tradition zurückblicken; die ersten Zeitungen wurden dort zu Beginn des 19. Jahrhunderts ins Leben gerufen. Gefangenenzeitungen dienten in Deutschland zunächst als als Ersatz der Tagespresse, die als schädliche Presse eingestuft wurde. Der Gute Freund (1901-1919) war eine Art Kalender, der in den Anstalten von Süddeutschland verteilt wurde. Dieser Kalender, an dem Gefangene sich inhaltlich nicht beteiligen durften, enthielt keinerlei Artikel zum Strafvollzug. Es handelte sich hierbei also eher um ein sogenanntes Ersatzpresseerzeugnis. Weitere Zeitungen dieser Art waren: Kompaß (1904-1920), Blick in die Welt (1921-1935), Aus Welt und Heimat (1926-1933), Nachrichtenblatt (1927-1928), Welt und Leben (1922-1935) sowie Der Leuchtturm (ab 1925).


    Die erste Gefangenenzeitung im heutigen Sinn war die Die Brücke aus Untermaßfeld/ Thüringen (1928-1935), die eine Mitverwaltung und Mitarbeit der Gefangenen anstrebte und auch umsetzte. Die Zeitung wollte ein Diskussionsforum zum Strafvollzug darstellen. Die Brücke wurde 1935 aufgrund politischer Umwälzungen eingestellt, da die Bestrebungen, den Strafvollzug insgesamt zu reformieren, durch das nationalsozialistische Regime zunichte gemacht wurden. Während des Nationalsozialismus existierte ausschließlich die Gefangenenzeitung Der Leuchturm, der bereits 1925 ins Leben gerufen worden war und bis einschließlich 1945 existierte. Die Zeitung war ein reines Ersatzpresseerzeugnis, welches vorrangig ideologisch gefärbte Berichte veröffentlichte.


    Die erste Gefangenenzeitung nach dem Zweiten Weltkrieg war Die Brücke aus München, 1950 folgte Die Brücke aus Freiburg. Im Jahr 1967 wurde die erste Gefangenenzeitung Nordrhein-Westfalens in der JVA Münster ins Leben gerufen. Die Zeitung, von der Signalwirkung für den nordrhein-westfälischen Vollzug ausging, trug den Titel Im blauen Karo. Weitere Zeitungen folgten: 1968: bastelbrief/ Werl; 1969: Merkur/ Castrop-Rauxel. Ab 1970 folgten die hauspost/ Werl, Die Hornisse/ Attendorn sowie 1972 Blickpunkt/ Hagen. Die vielen Neugründungen von Gefangenenzeitungen in den 70er Jahren gehen vor allem zurück auf die Diskussionen um eine Reformierung des Vollzuges. Das Vollzugsziel der Resozialisierung rückte zunehmend in den Vordergrund. Allein in NRW entstanden in dieser Zeit bis zu 20 neue Zeitungen.


    In der ehemaligen DDR waren Gefangenenzeitungen strengstens verboten. Berichten zufolge nahmen Gefangene bis zu mehreren Jahren Haft in Kauf, wenn sie eine Zeitung heimlich erstellten. Im Zuge der deutschen Wiedervereinigung wurden Gründungen von Zeitungen erstmals auch offiziell möglich. 1990 entstanden Impuls/ Cottbus, unsere zeitung/ Brandenburg sowie Alfred-Kästner-Str.47/ Leipzig. Es folgten weitere Neugründungen.



    Aktuelle Zahlen


    Die Anzahl der Zeitungen ist schwankend. Aufgrund von kurzfristigen Einstellungen sowie spontanen Neugründungen läßt sich die Anzahl der Gefangenenzeitungen nur selten ganz exakt bestimmen. Derzeit existieren rund 55 Redaktionen in Deutschland. NRW nimmt im Bundesländervergleich mit insgesamt 17 Zeitungen die Spitze ein, gefolgt von Niedersachsen mit 11 Redaktionen. Thüringen ist das einzige Bundesland, wo derzeit keine Zeitung herausgegeben wird. Die meisten Gefangenenzeitungen erscheinen im Erwachsenen-Männer- strafvollzug, lediglich zwei Zeitungen erscheinen im Jugendvollzug und nur drei Zeitungen im Frauenstrafvollzug.


    Die Mehrheit der Zeitungen (29,3%) erscheint 4x pro Jahr, gefolgt von einer zweimonatigen Erscheinungsweise (19,5%) und einmal pro Monat (14,6%). Die geläufigste Auflage liegt zwischen 101-500 Exemplaren (46,3%) sowie zwischen 501 und 1000 Exemplaren (29,3%). Nur wenige Zeitungen liegen über 1000 bzw. über 2000 Exemplaren pro Ausgabe. In Einzelfällen können die Redaktionen auf einen großen Verteiler außerhalb der Anstalt zurückgreifen, wie beispielsweise das Ulmer Echo aus Düsseldorf, welches immerhin über 850 Abos außerhalb der Anstalt verschickt.


    Die Finanzierung der Zeitungen ist zumeist durch die jeweilige Anstalt abgesichert. In fast allen Zeitungen ist kaum Werbung zu finden bis auf Anzeigen des Anstaltskaufmannes. Begründet wird dieser Schritt mit der Argumentation, daß ein regelmäßiges Erscheinen der Zeitungen nicht zugesichert werden kann. Der Etat, der den Redaktionen für eine Ausgabe zur Verfügung steht, ist sehr unterschiedlich: 27% der Redaktionen können einen Etat von 1000 DM pro Ausgabe einplanen, 22% der Redaktionen haben lediglich bis zu 200 DM zur Verfügung und 15% haben zwischen 501-1000 DM, die sie einplanen können. Alle Zeitungen sind zumeist für einen Betrag von 2 bis 3 DM zu erwerben, an Gefangene werden sie kostenlos abgegeben.


    Quelle:uni münster