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Sandrachen

unregistriert

1

Montag, 27. Oktober 2008, 13:09

Gerechtigkeit für Opfer

Wird gesendet am Mittwoch, 5. November 2008 um 23:30Uhr im NDR



Ludmilla Rodaja hat einen Mordversuch überlebt. Vor zwei Jahren hatte ihr Ehemann sie in einem Fitness-Studio niedergestochen. Vor Gericht wurde er für diese Tat jedoch nicht verurteilt. Ein psychiatrisches Gutachten bescheinigte ihm wahnhafte Eifersucht. Das Gericht befand ihn für schuldunfähig. Frau Rodaja blieb fassungslos zurück: 'Für den Täter wird in Deutschland alles getan. Das Opfer interessiert keinen', sagt sie. Heinz und Maria Ströer wurden überfallen. Die Täter brachen in ihr Schlafzimmer ein und prügelten mit Schaufeln auf das schlafende Ehepaar ein. Auch nachdem die Wunden längst verheilt sind, leiden sie noch schwer unter dem brutalen Überfall. 'Die müssten so lange ins Gefängnis, wie wir an dieser Tat zu leiden haben. Das wäre Gerechtigkeit', sagt Maria Ströer.
Würde Gerechtigkeit für die Opfer auch zu einer 'angemessenen' oder 'gerechten' Strafe für die Täter führen? Von Opferverbänden, aber auch von Politikern und in den Medien wird immer wieder beklagt, dass beim Strafmaß das Leid der Opfer zu wenig berücksichtigt werde. Den Tätern dagegen würden alle nur denkbaren mildernden Umstände eingeräumt. Der Rechtsstaat sei zu schwach, heißt es dann immer wieder. Wir bräuchten härtere Strafen, ist die dazugehörige Forderung. Ein Film über die Kluft zwischen Recht und Gerechtigkeit, in dem nicht nur die Opfer zu Wort kommen, sondern auch Täter, Richter und Staatsanwälte.

2

Montag, 27. Oktober 2008, 14:06

RE: Gerechtigkeit für Opfer

Ich habe mit schon ganz oft Gedanken zu diesem Thema gemacht und finde keine Antwort. Ich kenne beide Seiten, bedingt durch meinen Sohn.
Ich weiß, dass ein Opfer nie vergessen wird.
Kann man denn besser, eher vergessen, wenn der Täter länger sitzt oder ist es reine Genugtuung?
Mein Sohn wird nach seiner Haft einen Täter-Opfer-Ausgleich machen. DAS halte ich für wesentlich sinnvoller, als jemanden länger einzusperren. Denn von längeren Haftstrafen sind ja nicht nur die Täter betroffen, sondern auch wieder mal die Angehörigen.

Sandrachen

unregistriert

3

Montag, 27. Oktober 2008, 14:48

Ich habe mir ganz fest vorgenommen diese Sendung zuschauen.

Ich denke nicht das ein Opfer besser oder schneller vergessen kann wenn der Täter länger einsitzt.Ich denke du liegst da fast richtig das es für die Opfer reine Genugtuung ist.Auch wenn ein Täter länger sitzt macht es ja die Tat nicht ungeschehen. :ueberleg:

angelika1955

Userin des Monats Juni 06

Beiträge: 2 372

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4

Montag, 27. Oktober 2008, 15:11

RE: Gerechtigkeit für Opfer

Ein Thema, mit dem ich mich ja auch auseinander gesetzt habe.

Gibt es überhaupt Gerechtigkeit? Ich glaube nicht, zumindestens auf dieser Welt nicht.

Das Schmerzensgeld Schmerz der Opfer oder lindert, kann ich mir nicht vorstellen. Mit Geld werden die psychischen oder körperlichen Schäden der Opfer nicht wieder weggehen, genauso wenig wie ein Mensch dadurch wieder lebendig wird.

Auch ich weiß, dass mein Sohn das Opfer und auch die Tat nie vergessen wird, sie holt ihn tagtäglich ein, selbst Nachts, er muss damit leben, damit klar kommen.

Kann man das ein bisschen Gerechtigkeit nennen?

Ob längere Haftstrafen was bringen, mag ich bezweifeln. Auch in Amerika passieren weiterhin Straftaten, obwohl es dort die Todesstrafe gibt und weitaus höhere Haftstrafen als in Deutschland.

Ich könnte mir vorstellen, dass die Opfer sich in Sicherheit fühlen, so lange ein Täter in Haft ist und nicht aus Genugtuung oder Rache. Sie haben Angst wenn derjenige, der ihnen was angetan hat, wieder rauskommt, alles kommt wieder hoch. Ist für mich auch verständlich.

Gäbe es längere Haftstrafen, dann bliebe den Angehörigen der Straftäter auch nichts anderes übrig, als dies zu akzeptiere. Sie sind ja im Endeffekt auch nur Opfer durch die Straftat ihres eigenen Angehörigen geworden.
Angelika

Hummel

Userin des Monats Mai 2007

  • »Hummel« ist weiblich

Beiträge: 703

Registrierungsdatum: 19. Februar 2006

Beruf: seit 30 jahren derselbe

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5

Montag, 27. Oktober 2008, 16:15

Das ist ein interessantes Thema, mit dem gerade hier unwahrscheinlich sensibel umgegangen werden muss!

Zitat

Kann man denn besser, eher vergessen, wenn der Täter länger sitzt oder ist es reine Genugtuung?


Nein. Ganz bestimmt nicht.
Aber jedes Opfer fühlt sich schmutzig und die Strafe für den Täter ist die Seife, um sich wieder sauber zu waschen.
Und ich rede nur von Dingen, die ich erlebt habe.

Geht doch schon los, wenn ich auf der Straße vom überholenden Auto bedrängt werde.... steht der einen km weiter in der Radarfalle.... muss ich grinsen.

Längere oder vermeintliche "gerechtere" Strafen bringen gar nichts für die Opfer - außer ein bisschen Zucker auf der Seele.

Die meisten von uns kennen die Täterseite besser als die Opferseite....und unsere Vorstellungskraft reicht nur vage an das heran, was Opfer UND Täter fühlen..... die meisten Täter sind eben auch nur Opfer.

Glaub ich
Hummel

Erinnerung ist eine Blume, die im Herzen blüht.

angelika1955

Userin des Monats Juni 06

Beiträge: 2 372

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6

Montag, 27. Oktober 2008, 20:55

Zitat

Original von Hummel
... die meisten Täter sind eben auch nur Opfer.


Da gebe ich Dir recht, aber die Täter konnten entscheiden oder hatten die Wahl einen anderen Weg zu wählen, Opfer haben diese Möglichkeiten nicht.

VG
Angelika

Annamaria

unregistriert

7

Montag, 27. Oktober 2008, 21:13

Ein tolles Diskussionsthema.....über das ich mir auch schon oft Gedanken gemacht habe.

Gerechtigkeit für Opfer kann es meiner Meinung nach nicht geben. Ich würde einen Täter-Opferausgleich in vielen Fällen sinnvoll finden.
Allerdings müssten diese nicht zu lange nach den Straftaten stattfinden. In unseren Fall ist ja die frühest mögliche Entlassung nach ca. 5 Jahren, ich denke, nach so langer Zeit wird auch kein Opfer mehr bereit sein, alles nochmal aufzuwühlen. Aber ich finde schon, das bei bestimmten Straftaten sich die Täter den Fragen und Gefühlen von Opfern stellen sollten, nur so wird vielen erst richtig bewußt, wie Opfer wirklich leiden. Und Opfer sehen vielleicht nicht nur das "Monster" in einem Täter sondern sehen vielleicht auch menschliche Seiten und können so besser ihre traumatischen Erlebnisse verarbeiten.
Aber was ist schon gerecht? Für Eltern von Kindern, die durch Straftaten ihr Leben lassen mussten, wird es sicher niemals Gerechtigkeit geben. Selbst Opfer von Einbrüchen oder Überfällen leiden oft viele Jahre unter den Geschehnissen, wieviele Jahre Knast sind dafür gerecht?
Opfer von Betrügern verlieren oft ihr sauer Erspartes und bekommen auch durch einen Gefängnisaufenthalt des Täters ihr Geld nicht wieder.

Ich finde, das auch in den JVAén (zumindest bei uns in Bayern)ziemlich wenig für die Tataufarbeitung von Straftätern getan wird.

Die andere Seite ist dann aber, das auch für die Opfer einfach zu wenig getan wird. Ein Opferanwalt wäre gerecht, wenn ich an die Verhandlung von Junior denke, Junior hatte seinen Anwalt als Unterstützung, die Opfer sassen da alleine vor dem Richter, sie hatten niemand, der ihnen irgendwie zur Seite stand. Damals hatte ich mir da keine großartigen Gedanken darüber gemacht, heute sehe ich das anders.

Annamaria

angelika1955

Userin des Monats Juni 06

Beiträge: 2 372

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8

Montag, 27. Oktober 2008, 23:05

Zitat

Original von Annamaria

Ich finde, das auch in den JVAén (zumindest bei uns in Bayern)ziemlich wenig für die Tataufarbeitung von Straftätern getan wird.


Ich kann da nur von Diez reden, die Tataufarbeitung bei LLern fängt erst nach Jahren an, da vordergründig erst einmal die Straftäter bevorzugt werden, die eine Zeitstrafe haben.

Zitat


Die andere Seite ist dann aber, das auch für die Opfer einfach zu wenig getan wird. Ein Opferanwalt wäre gerecht, wenn ich an die Verhandlung von Junior denke, Junior hatte seinen Anwalt als Unterstützung, die Opfer sassen da alleine vor dem Richter, sie hatten niemand, der ihnen irgendwie zur Seite stand. Damals hatte ich mir da keine großartigen Gedanken darüber gemacht, heute sehe ich das anders.


Die Opfer haben die Möglichkeit als Nebenkläger aufzutreten und sich einen Anwalt zu nehmen. Nur ob Opfer automatisch darüber informiert werden, weiß ich allerdings nicht. Ist ja ähnlich wie beim Schmerzensgeld, viele Opfer wissen gar nicht, dass Ihnen so etwas zusteht.

Edit:

Die Reportage kommt nicht im NDR sondern in der ARD!!!
Angelika

Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »angelika1955« (27. Oktober 2008, 23:19)


Sandrachen

unregistriert

9

Dienstag, 28. Oktober 2008, 13:39

Zitat

Original von angelika1955


Edit:

Die Reportage kommt nicht im NDR sondern in der ARD!!!



Danke Angelika. :blumen:Ich meiner TV-Zeitung steht zwar NDR drin.Aber habe gerade nochmal online geschaut da steht ARD.