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angelika1955

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Fego

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Samstag, 17. Februar 2007, 19:55

RE: Jugendknast "Der ganz normale Horror"

Beim lesen dieses Berichts wird vermutlich allen Eltern die Kinder in einem Jugendgefängnis haben Angst und Bange! Man kann nur hoffen, dass die Realität nicht so ist, wie in dem Artikel beschrieben wird.
Da sind in einer Anstalt wie Siegburg am Wochenende ganze 6 (!!!) Beamte für 700 Gefangene zuständig? Da können doch keinerlei Kontrollen der Zellen etc stattfinden. Zu sechst schaffen die es doch wahrscheinlich mit Müh und Not die Türen abzuschliessen und zu hoffen, dass die Jugendlichen in ihren Zellen nichts anstellen! Ich denke da wird definitiv am falschen Ende gespart. Was dabei rauskommen kann, zeigt der absolut traurige Vorfall der dort geschehen ist! Ich hoffe wirklich dass der Tot des jungen Mannes die Leute an den massgeblichen Stellen dazu bewegt etwas zu verändern und zu verbessern. Natürlich ändert das das Geschehene nicht mehr, der Junge wird nicht wieder lebendig und der Schmerz der Angehörigen nicht geringer dadurch. Aber so etwas darf sich einfach nicht widerholen!

LG Fego (diemalwiederwortfindungsschwierigkeitenhat)
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3

Samstag, 17. Februar 2007, 20:44

RE: Jugendknast "Der ganz normale Horror"

schrecklich. Einfach nur schrecklich. Mehr fällt mir nicht dazu ein.

vg
zs
keine

angelika1955

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Sonntag, 18. Februar 2007, 00:24

RE: Jugendknast "Der ganz normale Horror"

Soweit mir von einer Mutter bekannt ist, deren Sohn eine Jugendstrafe verbüßt, ist in NRW schon reagiert worden, indem sie die Jugendlichen nur noch Einzel- oder Zweierzellen legen. Durch den Platzmangel der dadurch entsteht, sind die Jugendlichen in ganz NRW verteilt, was natürlich für die Angehörigen entsprechend längere Fahrtzeiten zu den Besuchen bedeutet.

Es scheint ja nicht nur in Siegburg so zu sein.

Mich hat der Bericht nachdenklich und auch betroffen gemacht.
Angelika

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »angelika1955« (18. Februar 2007, 00:30)


Fego

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5

Sonntag, 18. Februar 2007, 00:34

RE: Jugendknast "Der ganz normale Horror"

Der Bericht macht denke ich jeden hier betroffen. Wenn ich Mutter wäre würde ich gerne weite Strecken auf mich nehmen, wenn ich dafür wüsste mein Kind ist in Sicherheit und einigermassen gut aufgehoben.

LG Fego
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Annamaria

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Sonntag, 18. Februar 2007, 11:50

Man kann nur hoffen, das bei solchen Zuständen endlich reagiert wird.
Was gerade da in Siegburg passiert ist, ist ja leider nur die Spitze des Eisberges, ich mag gar nicht daran denken, wieviele Vorfälle passieren und nicht bekannt werden.
Was ich auch besonders erschreckend finde ist, das die Gewaltbereitschaft und Agressivitität in Jugendstrafanstalten um ein wesentliches höher sein soll als im Erwachsenstrafvollzug.

:winken:

angelika1955

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Sonntag, 18. Februar 2007, 12:05

Dass die Gewaltbereitschaft im Jugendvollzug größer ist als im Erwachsenenvollzug hat mir mein Sohn bestätigt. Im Erwachsenenvollzug geht es ruhiger zu. Mag vielleicht mit daran liegen, dass im Erwachsenenvollzug der Altersunterschied wesentlich größer ist als im Jugendvollzug.
Angelika

Annamaria

unregistriert

8

Sonntag, 18. Februar 2007, 12:17

Das mag sein, wobei ich eher glaube, das Jugendliche sich einfach noch "beweisen" müssen und das Gruppenverhalten bei Jugendlichen einfach noch anders ausgeprägt ist als bei Erwachsenen.
Unser Junior meinte auch, das im Erwachsenenvollzug die Leute einfach eher ihre Ruhe haben wollten.

angelika1955

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9

Sonntag, 18. Februar 2007, 12:23

Das mag an dem Gruppenverhalten liegen. Auf meinen Sohn selber wurden keine Übergriffe begangen. Mag vielleicht damit zusammenhängen, dass er einfach sein Ding gemacht hat und er war schon älter.

Ich weiß nur, dass bei ihm auch einer auf der Zelle lag, der psychisch sehr angeschlagen gewesen ist. Mein Sohn sagte damals schon, er könne nicht verstehen, warum der nicht in einer Psychatrie wäre.
Angelika

Annamaria

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10

Sonntag, 18. Februar 2007, 12:29

Naja ich glaube, das junge Menschen sich auch schwerer tun, ihre angeschlagene Psyche zu offenbaren, sie wollen ja eher den starken und coolen darstellen. Und bei so einer schlechten personellen Besetzung ist es natürlich auch für die Angestellten so einer JSA schwierig, sich näher mit den Insassen zu beschäftigen. So sehen sie vielleicht nur das, was de Jugendlichen versuchen, darzustellen und nicht den wirklichen Menschen. :traurer:

angelika1955

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11

Sonntag, 18. Februar 2007, 12:39

Ich denke mag mit daran liegen, dass eine psychische Erkrankung oder Instabilität in den seltensten Fällen zu einer Schuldunfähigkeit führt, wo ein Jugendlicher in eine Psychatrie käme.
Angelika

Fego

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12

Sonntag, 18. Februar 2007, 12:41

Ich glaube in dem Artikel stand ja auch, dass die Beamten in der JSA kaum Infos über die Häftlinge bekommen. Wenn man ausschliesslich auf eigene Wahrnehmung angewiesen ist, ist es natürlich schwierig psychische Instabilität zu erkennen. Insbesondere wenn man derart gnadenlos unterbesetzt ist!

LG Fego
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angelika1955

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13

Sonntag, 18. Februar 2007, 12:49

Meist ist es dem Richter bekannt, da die Jugendlichen nach Vorgeschichte gefragt werden, die Jugendgerichtshilfe dabei ist, die die Vorgeschichte vom Jugendamt her kennt und dies auch bei Gericht sagen.

Es ist bei den Jugendlichen ähnlich wie bei den Erwachsenen und hängt mit der Schuldfähigkeit zusammen. Würde bei einem Jugendlichen eine verminderte Schuldunfähigkeit oder Schuldunfähigkeit festgestellt, dann kämen die nicht in den Knast sondern in die Psychatrie.
Angelika

14

Sonntag, 18. Februar 2007, 13:06

Das ist der ganz normale Wahnsinn. Bei meinem Großen ist es auch so im Knast. Sein ehemaliger Zellenkumpel, mit welchem er in U-Haft saß, ist nun auch in den Jugendknast verlegt worden. Der dreht total am Rad. Der macht meinen Sohn schlecht usw., obwohl er in U-Haft auch von ihm mit Zigaretten und so versorgt wurde.

Mein Sohn ist mit seinen 1,92 m Körperhöhe auch nicht gerade ein Zwerg und er hat auch ganz schön Kraft. Er will sich aber nicht körperlich wehren, da ihm das auch in seinem Vorleben schon viel Ärger eingebracht hat.

Man merkt in diesem Staat, dass es noch Jahre dauert, bis die endlich mal umdenken. So viele Jugendliche begehen Straftaten. Ich will nicht wieder alten Käse aufwärmen, doch viele unter ihnen sind sogenannte "Wohlstandstäter".

Überall wird gespart. Wie ich auch schon in einem anderen Beitrag geschrieben habe, musste ich fast 1 Jahr darum kämpfen, dass mir das Jugendamt hilft.

Jetzt hatte ich vor 2 Wochen ein Telefonat mit einem Mitarbeiter der Jugendgerichtshilfe. Dort hatte man bis vor 2 Jahren noch 3 Mitarbeiter. Jetzt sind es nur noch 2 und er muss auch noch Geschäftsaushilfe in einem anderen Bereich machen, da dort 2 Mitarbeiterinnen schon langzeiterkrankt sind.

Er wollte meinen Sohn besuchen, kann es aus o. g. Grund nicht.
Jetzt soll er seine Akten auch noch einer Kollegin "aufbrummen". Wie soll die das schaffen, wenn ich aus seiner Tätigkeit her weiß, dass er mindestens 3 Tage/Woche im Gericht hängt und seine Berichte vortragen muss. Dazu gehört auch sicherlich noch eine Vorbereitungszeit. Er kann das ja nicht einfach aus dem Ärmel schütteln.

Armes Deutschland. Ein Teil der Jugend hängt daheim rum, da sie keinen Arbeitsplatz bekommen, 1 Teil hat Arbeit und der Rest sitzt im Kahn. Und dann darf man die Kinder nur 2 x im Monat besuchen, obwohl man doch mehr möchte und sich intensiv mit dem Strafvollzug und seinen Folgen beschäftigen möchte.

Ich habe dem Anstaltsleiter schon verklickert, dass ich mich nicht abspeisen lasse und meinen Jungen als "verschüchterten" und "geschundenen" Menschen wieder bei mir daheim aufnehmen möchte. Das war jetzt ein wenig krass, aber andere Worte finde ich dafür nicht.

Man kann auch nicht von den Bediensteten verlangen, dass sie die Jugendlichen minütlich kontrollieren. Wie auch Fego schon schrieb, ist Unterbesetzung am Wochenende und kaum Infos von dem Vorleben der Jugendlichen ein Knackpunkt für die Tätigkeit im Stafvollzug.

Was würde eigentlich dagegen sprechen, den Bericht der Jugendgerichtshilfe oder andere Infos in den Strafvollzug einzubeziehen. Da würde der Junge viel. noch am Leben sein. Ich möchte nicht in der Haut der Eltern stecken.

Es gibt auch viele Jugendliche, die mit dem ständigen Druck in einer Anstalt nicht klar kommen und sich das Leben nehmen. Wem soll man dann die Schuld geben?

lg iche

P.S. Sind unsere Jungs nicht auch alles Jugendliche, die irgendwann doch ihr Leben meistern und für uns mal da sein sollen?

Fego

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Sonntag, 18. Februar 2007, 15:11

Zitat

Original von iche
Was würde eigentlich dagegen sprechen, den Bericht der Jugendgerichtshilfe oder andere Infos in den Strafvollzug einzubeziehen.


Jugendstrafrecht soll sich ja gerade vom Erwachsenenstrafrecht unterscheiden. Das zeigt sich ja auch in den Strafen und im Strafmass. Da muss das meiner Meinung nach auch für den Strafvollzug gelten. Sich da an der Schuldfähigkeit (die ja möglicherweise im Verfahren gar nicht überprüft wurde, je nach Verteidigung ) zu orientieren finde ich zu wenig. Unterbesetzung allenthalben hin und her - das müsste doch möglich sein, dass man Berichte, Atteste etc aus der Akte kopiert und an die JSA weiterleitet. Dann könnte man dort doch ganz anders auf die Jugendlichen eingehen und pädagogisch viel sinnvoller handeln. Wenn man denn das Personal dafür hat. Ob der Junge dann noch Leben wäre ist Spekulation, aber die Chancen für jeden Einzelnen könnten deutlich verbessert werden. Da hat man den Gedanken, Jugendliche noch erziehen zu können und zu wollen. Warum findet für Jugendstrafen dann nicht auch ein Einweisungsverfahren statt wie im Erwachsenenvollzug? Das könnte doch entsprechend erweitert werden. Kontakt zur JGH kann doch sogar telefonisch hergestellt werden.

LG Fego

Edit: Der neue Zellengenosse von meinen Schwager ist auch aus dem Jugendstrafvollzug gekommen. Mein Schwager hat erzählt, dass der psychisch ganz schlecht dran ist und froh ist jetzt im Erwachsenenvollzug zu sein.
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Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Fego« (18. Februar 2007, 15:12)


angelika1955

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Sonntag, 18. Februar 2007, 15:28

Es ist aber in den meisten Fällen auch so, dass die Jugendlichen im Vorfeld, bevor sie in den Knast gehen, ganz viele Möglichkeiten und Hilfe hatten. Sie kommen, wenn sie nicht gerade wegen eines Gewaltdeliktes verurteilt sind, in den seltensten Fällen nach der ersten Tat ins Gefängnis. Meist ist es so, dass die Jugendlichen bevor sie ins Gefängnis kommen sehr viele Möglichkeiten hatten.

Allerdings wenn sie davon nichs annehmen und meinen sie müssten weiterhin ihr Ding machen, dann stoßen sie irgendwann an die Grenzen des Gesetzes und müssen dann natürlich die Konsequenzen tragen.

Einweisungsverfahren gibt es nicht in jedem Bundesland und ist auch nicht selbstverständlich. Hier bei uns gibt es das z. B. nicht, auch nicht für den Erwachsenenvollzug.
Angelika

Fego

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Sonntag, 18. Februar 2007, 15:33

Natürlich haben die meisten Jugendlichen etliche Chancen gehabt und nicht genutzt bevor sie in die JSA kommen. Oder tatsächlich entsprechende Taten begangen. Aber gerade aus diesem Grund fände ich es richtig und sinnvoll, wenn Unterlagen über die Vorgeschichte der JSA zur Verfügung gestellt würden, damit die den Jugendlichen besser einschätzen können.
Die Probleme im Jugendstrafvollzug lösen sich meiner Meinung nach nicht, indem man einfach mehr Beamte einstellt. Es sollte auch einen Plan geben, was die tun sollen und wie der Vollzug für den einzelnen Jugendlichen aussehen sollte.

LG Fego
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angelika1955

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Sonntag, 18. Februar 2007, 15:44

Die Jugendlichen können dort auch arbeiten gehen, sie können ihre Schule beenden. Möglichkeiten sind dort schon vorhanden. Es wird, dass weiß ich von der JSA Wittlich auch zusammen gekocht, Ergotherapie hatten die auch.

Ich weiß nur von meinem Sohn der dort 7 Monate eingesessen hat, dass es für ihn wie in einer Jugendherberge war und das habe ich von anderen Jugendlichen auch gehört.

Jetzt wo mein Sohn im Erwachsenenvollzug ist, sagt er selbst dass sei richtiger Knast, allerdings ruhiger als in einer JSA.

Und im Jugendstrafvollzug hat man, auch wenn die Jugendlichen über 18 Jahre sind, die Möglichkeit mit denm Sozialarbeiter oder Psychologen zu sprechen und man kann dort als Elternteil auch darauf aufmerksam machen falls ein Jugendlicher psychisch angeschlagen ist. Aber auch da kommt es auf den Jugendlichen an. Wenn er keine Therapie will, dann kann man ihn nicht zwingen.
Angelika